17 June 2026 · Retirement Planning
Die 4-Prozent-Regel ist die bekannteste Faustregel der Altersvorsorge. Hier ist was sie bedeutet, wo sie herkommt, und warum deutsche Rentner sie nicht blind übernehmen sollten.
Die 4-Prozent-Regel sagt: Entnehmen Sie im ersten Rentenjahr 4 % Ihres Depots, passen Sie diesen Betrag jährlich an die Inflation an — und das Geld hält mindestens 30 Jahre.
Das ist eine mächtige Faustregel. Sie stammt aus einer Studie von 1994 und basiert auf amerikanischen Marktdaten. Für deutsche Rentner gibt es einige wichtige Anpassungen.
1994 untersuchte der US-Finanzberater William Bengen alle historischen 30-Jahres-Rentenperioden in den USA zurück bis 1926 — inklusive der Weltwirtschaftskrise, des Inflationsschocks der 70er und allen Börsenkrachts dazwischen.
Seine Frage: Was ist die höchste Entnahmerate, die in allen diesen Perioden überlebt hätte?
Die Antwort: 4,15 % — abgerundet zu 4 %.
Wichtiger Vorbehalt: Das ist eine historische Beobachtung, keine Garantie. 4 % hat in allen vergangenen 30-Jahres-Perioden mit einem US-Aktien-Anleihen-Portfolio funktioniert. Was die Zukunft bringt, weiß niemand.
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Run your numbers in RetireGauge →Die 4-Prozent-Regel lässt sich umdrehen: Für jeden Euro, den Sie jährlich ausgeben möchten, brauchen Sie 25 Euro investiert.
| Gewünschte Entnahme/Jahr | Benötigtes Depot (4-%-Regel) |
|---|---|
| 12.000 € | 300.000 € |
| 24.000 € | 600.000 € |
| 36.000 € | 900.000 € |
| 48.000 € | 1.200.000 € |
| 60.000 € | 1.500.000 € |
Das ist der Bruttobetrag — vor gesetzlicher Rente und Betriebsrente. Die brauchen Sie nicht selbst zu finanzieren.
Das Missverständnis vieler FIRE-Planer in Deutschland: Sie wenden die 4-%-Regel auf ihren vollen Bedarf an, obwohl sie zusätzlich gesetzliche Rente erhalten werden.
Beispiel:
Das ist 450.000 € Unterschied — wegen der gesetzlichen Rente, die viele in ihrer FIRE-Berechnung ignorieren.
Die Studie basiert auf 30 Jahren Ruhestand. Wer mit 55 aufhört und 90 wird, hat 35 Jahre Ruhestand. Für 35–40 Jahre empfehlen Forscher eine Entnahmerate von 3,25–3,5 %.
In Deutschland unterliegen Kapitalerträge der Abgeltungssteuer (25 % + Soli = ca. 26,375 %). Das bedeutet: Für jede Entnahme aus Ihrem Depot zahlen Sie auf den Ertragsanteil Steuer.
Bei einem ETF-Depot, das über Jahrzehnte gewachsen ist, kann ein erheblicher Teil der Entnahme steuerpflichtiger Ertrag sein. Das reduziert die effektive Netto-Entnahmerate.
Faustregel: Planen Sie die Steuer als Kostenblock ein. Bei 4 % Bruttoentnahme und hohem Ertragsanteil kommen netto möglicherweise nur 3,2–3,6 % an.
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Run your numbers in RetireGauge →Gesetzliche Rente ist steuerpflichtig — und der steuerpflichtige Anteil steigt bis 2040 auf 100 %. Wer Depot-Entnahmen und Renteneinnahmen kombiniert, hat möglicherweise ein steuerpflichtiges Gesamteinkommen, das spürbar besteuert wird.
| Situation | Empfohlene Entnahmerate |
|---|---|
| Rentenbeginn 67, Depot unter 600.000 € | 4,0 % |
| Rentenbeginn 67, großes Depot (hohe Steuerlast) | 3,5 % |
| Rentenbeginn 60–65 | 3,5 % |
| Rentenbeginn unter 60 (frühe FIRE) | 3,0–3,25 % |
Diese Werte sind Orientierungspunkte, keine Garantien.
Stellen Sie sich vor: Sie gehen 2030 in Rente. Im ersten Rentenjahr verliert Ihr Depot 35 %. Sie entnehmen trotzdem Ihren Bedarf — weil Sie ja leben müssen. Jetzt kämpft ein deutlich kleineres Depot darum, sich zu erholen, während Sie weiter entnehmen.
Das nennt sich Sequence of Returns Risk (Renditepfadrisiko) — und es ist das größte Risiko für Entnahmepläne. Der Zeitpunkt eines Markteinbruchs relativ zu Ihrem Rentenbeginn bestimmt mehr als die durchschnittliche Rendite.
Gegenmittel: 1–2 Jahre Lebenshaltungskosten in Tagesgeld/Festgeld halten. Bei schlechten Börsenjahren entnehmen Sie aus diesem Puffer statt aus dem Depot — und geben dem Depot Zeit zur Erholung.
Haushalt, beide 67, 850.000 € Depot, gesetzliche Rente zusammen 22.000 €/Jahr netto:
Das ist sehr konservativ — das Depot sollte wachsen, nicht schrumpfen. Spielraum für schlechte Jahre und Inflation ist eingebaut.
Als Ausgangspunkt ja — als blinde Anleitung nein. Viele Finanzforscher empfehlen heute 3,5 % als sicherere Basis, angesichts potenziell niedrigerer Renditen und längerer Lebenserwartung.
Aktienportfolios haben historisch höhere Renditen erzielt — aber mit mehr Volatilität. Das erhöht das Renditepfadrisiko, besonders kurz nach Rentenbeginn. Ein Liquiditätspuffer (1–2 Jahre Ausgaben in sicheren Anlagen) mildert dieses Risiko erheblich.
Die klassische Bengen-Studie setzt jährliche Inflationsanpassung voraus. In der Praxis können Sie flexibler sein: In guten Börsenjahren können Sie etwas mehr entnehmen, in schlechten etwas weniger. Flexible Entnahmestrategien haben in Simulationen oft besser abgeschnitten als starre Regeln.
Schritt 1: Berechnen Sie Ihren gewünschten Bedarf im Alter (Jahresbetrag). Schritt 2: Ziehen Sie die erwartete Nettorente (gesetzlich + betrieblich) ab. Schritt 3: Dividieren Sie die Lücke durch 0,04 (4 % Regel) oder 0,035 (3,5 %-Regel). Das Ergebnis ist Ihr Zielvermögen.
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